Heizölpreis: Jetzt wird es spannend - Fällt der Seitwärtstrend?

25.05.23 • 12:51 Uhr • HeizOel24 News • Fabian Radant

Die Heizölpreise in Deutschland halten an ihrer kurzfristigen Aufwärtsbewegung fest und haben am Donnerstagvormittag die 90-Cent-Marke überschritten. Mit Aufschlägen von durchschnittlich 0,7 Cent je Liter wird das Mai-Hoch vom Monatsbeginn egalisiert. In Österreich und der Schweiz gestalten sich die Preisentwicklung deutlich zurückhaltender. Mit dem Anstieg der Inlandspreise wird im Wesentlichen die Börsenbewegung von gestern nachvollzogen. Die Tagestendenz ist seit dem Mittag deutlich rückläufig und lässt auf einen Verbleib im Seitwärtstrend hoffen.

Der Euro verliert weiterhin an Wert und startet mit einer Abwärtsbewegung in den heutigen Handel, hält sich allerdings noch bei 1,07 Dollar. ICE Gasoil hat im heutigen Tagesverlauf bereits den Durchbruch der psychologisch wichtigen Marke von 700 Dollar pro Tonne versucht, ist allerdings von dieser Grenze abgeprallt und aktuell ebenfalls in einer Abwärtsbewegung. Mit 690 Dollar notiert ICE Gasoil zum Mittag wieder deutlich niedriger und könnte in eine größeren Korrektur rutschen. Die US-amerikanische Rohölsorte WTI und die Nordseerohölsorte Brent bauen ihre Verluste zum Mittag ebenfalls deutlich aus und rutschen auf Werte von 73 bzw. 77 Dollar je Barrel. Damit besteht für den Nachmittag wieder Abwärtspotential für die Heizölpreise.

Preisdrückende Faktoren für die Ölpreise kommen erneut aus den USA. Zum einen werden die Märkte nervös, da für die Anhebung der Schuldenobergrenze mit knapp einer Woche die Zeit abläuft. Sollten die USA auch nur vorübergehend zahlungsunfähig werden, würde dies der US-amerikanischen aber auch der globalen Wirtschaft stark schaden. Damit würde die Ölnachfrage auf der anderen Seite stark sinken und somit auch die Preise. Nervös sind die Märkte deshalb, weil es von Oppositionsseite zuletzt hieß, dass noch mehrere Punkte ungeklärt sein. Zum anderen wurde das Protokoll der vergangenen US-amerikanischen Notenbanksitzung (Fed) veröffentlicht. Aus diesem geht hervor, dass doch nicht die erwartete Einigkeit bei der Abkehr von den Zinsanhebungen herrscht. Stattdessen gibt es drei verschiedene Lager. Die einen sind für ein Ende der Zinsanhebung, die anderen für eine Aussetzung im kommenden Juni, um die Auswirkungen der bisherigen Zinsanhebungen besser einschätzen zu können und die letzte Gruppe ist für weitere Zinsanhebungen da ihnen die Rückkehr zum Ziel einer zweiprozentigen Inflation nicht schnell genug voranschreitet. Damit regt sich wieder Angst vor möglichen weiteren Zinsanhebungen, welche die Wirtschaft belasten und die Ölnachfrage senken. Aktuell gehen Experten von einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit der Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus aus.

Nachdem gestern unteranderem die Aussage Saudi-Arabiens, dem größten Produzenten der OPEC+, als mögliche Warnung vor weiteren Förderkürzungen gewertet wurde, hat Russland, der zweitgrößte Produzent der OPEC+, dies ausgeschlossen. Russland geht davon aus, dass sich die Ölpreise in den nächsten Monaten bei 80 Dollar pro Fass Brent stabilisieren werden und keine weiteren Anpassungen der Förderquoten nötig sind. Diese Aussage entspannt die Märkte und wirkt sich preissenkend aus. Auf der anderen Seite wurde gestern Nachmittag der Bericht des US-amerikanischen Department of Energy (DOE) veröffentlicht. Aus diesem geht ein ungewöhnlich hoher Abbau der US-amerikanischen Rohölbestände hervor. Der Markt erwartete Aufbauten von 0,7 Mio. Barrel zur Vorwoche, es kam jedoch zu einem Abbau von 12,5 Mio. Barrel. Zusätzlich sanken die Mitteldestillats- (Heizöl, Diesel, Kerosin) und Benzinbestände mit -0,3 Mio. bzw. -2,1 Mio. Barrel etwas stärker als erwartet. Die Lagerbestandsentwicklung in den USA ist damit als deutlich preistreibend einzustufen, was auch an der Ölpreisentwicklung vom gestrigen Nachmittag abzulesen war.

Ein komplett gegensätzlicher Impuls kommt am Donnerstag von den Konjunkturdaten aus Europa. Deutschland verbucht das zweite Quartal in Folge ein Negativwachstum, was per Definition als Rezession gilt. Nach 0,5 Prozent im vierten Quartal 2022 schrumpften die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2023 überraschend um 0,3 Prozent. Die Energiewende als Wachstumsmotor bleibt vorerst eine Grüne Illusion. Abzulesen ist der Negativtrend auch an den Aktienkursen. Nachdem der DAX in der Vorwoche am Allzeithoch kratzte, ging es gestern steil bergab. Am Donnerstag kann sich der Index im Bereich von 15.800 Punkten stabilisieren.

In der DACH-Region sind die durchschnittlichen Heizölpreise im Vortagesvergleich deutlich gestiegen, einzige Ausnahme ist Österreich, wo die Heizölpreise sich seit Tagen auf einer minimalen Aufwärtsbewegung befinden, welche nahezu einen Seitwärtstrend darstellt. In der Schweiz stiegen die Heizölpreise zum Vortag geringfügig um 0,05 Rappen pro Liter und auf der anderen Seite stiegen die Preise im gestrigen Vortagesverlauf um durchschnittlich einen Rappen pro Liter. Damit ist der Anstieg in der Schweiz mit dem heutigen Anstieg von einem Cent pro Liter in Deutschland vergleichbar. In zwölf der sechszehn Bundesländer liegt der durchschnittliche Preis pro Liter Heizöl wieder über 90 Cent. Regional gibt es allerdings besonders im Südwesten Deutschlands auch Abwärtsbewegungen. In Bezug auf den deutschlandweiten Durchschnittspreis für Heizöl bestätigt sich der Seitwärtstrend zunächst und es sieht so aus, als hätte Oberkante des Trendkanals bei 90,4 Cent je Liter Bestand. Für spekulationsfreudige Heizölkunden gilt weiterhin die gestern von uns genannten Spanne von 80 bis 95 Cent pro Liter, als Orientierungshilfe. Abwarten kann sich angesichts der globalen Konjunkturrisiken weiterhin lohnen. Auf der anderen Seite haben die Heizölpreise seit Anfang Mai 2023 einen kleinen Aufwärtstrend eingeschlagen. Seit dem Jahrestief vom 4. Mai gab es zwar immer wieder deutliche Kurskorrekturen nach unten, tendenziell stieg der durchschnittliche Literpreis in Deutschland jedoch an. In den letzten 20 Tagen ging es ausgehend vom Jahrestief vier Cent pro Liter nach oben. -fr-

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