Gesunkene US-Bestände treiben Ölpreise an

27.09.23 • 11:28 Uhr • HeizOel24 News • Fabian Radant

Die Heizölpreise stiegen im Vortagesvergleich im Schnitt um 1,1 Cent bzw. Rappen an. Der Fokus des Marktes verschob sich von der sinkenden Nachfrage auf das Angebotsdefizit. Zum einen sanken die Rohölbestände im US-amerikanischen Zentrallager Cushing auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr und zum anderen steigen die dortigen Heizölpreise an. Zusätzlich fehlen dem Ölmarkt auf unabsehbare Zeit rund eine Million Fass russischen Diesels.

Sowohl die Rohölsorten als auch Ölprodukte konnten ihre gestrigen Verluste zum heutigen Handelsstart wieder gutmachen. Ein Fass der Nordseesorte Brent notiert bei 94 Dollar. Die US-amerikanische Sorte WTI konnte sich derweil mit 91 Dollar wieder über die psychologisch wichtige 90 Dollar pro Fass Marke kämpfen. ICE Gasoil wird wiederum mit 971 Dollar pro Tonne gehandelt, einem Plus von 2,2 Prozent. Der Euro gab derweil gegenüber dem Dollar weiter nach und notiert bei 1,055 Dollar. Damit sind weitere Heizölpreisanstiege im Tagesverlauf wahrscheinlich.

Nachdem gestern die rückläufige Nachfrage durch die ausgebliebene Bondzahlung des chinesischen Großkonzerns Evergrande im Fokus des Ölmarktes stand, verschob sich die Betrachtung des Marktes nun auf das Angebotsdefizit. Insgesamt wird von einem volatilem Seitwärtstrend in den nächsten Monaten ausgegangen. In den USA werden die Zinsen voraussichtlich noch um einen Viertelprozentpunkt angehoben. Trotz der Zinsanpassung sind sich Experten sicher, dass die US-amerikanische Wirtschaft eine sanfte Landung hinlegen wird. Dies bedeutet, dass die Ölnachfrage stabil oder wachsend bleiben wird.

Zusätzlich befindet sich der Rohölbestand im Lager Cushing auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2022 und kurz davor die operative Mindestmenge zu unterschreiten. Haupttreiber des Abbaus sind hohe Exportmargen und die gestiegenen Zinsen, welche die Lagerhaltung verteuern. Einzig 2014 sank die gelagerte Rohölmenge in Cushing unter die operative Mindestgrenze, konnte allerdings kurzfristig wieder aufgefüllt werden, sodass keine Probleme entstanden. Allerdings bestand damals noch ein vierzigjähriger Exportban, welcher erst 2015 auslief. Relevant ist dies nicht zuletzt, weil auch in den USA ca. fünf Millionen Haushalte mit Heizöl heizen, ähnlich wie in Deutschland und dass prognostiziert wird, dass deren diesjährige Kosten für die Heizsaison um 8,7 Prozent steigen werden. Zusätzlich befinden sich auch die Benzinpreise auf Höchstwerten und die Raffinerien gehen in den Wartungsmodus. Eine der aktuell effektivsten Möglichkeiten der US-amerikanischen Regierung dagegen zu steuern, sind Exporteinschränkungen. Besonders in Europa würde uns dies hart treffen.

Der ohne Zeitangabe seit letzter Woche laufende Exportstopp Russlands für russisches Benzin und Diesel ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor, welcher die Heizölpreise in den kommenden Wochen weiter antreiben könnte. Verursacht wurde er wahrscheinlich aufgrund einer Mischung von Faktoren. Einerseits macht der schwache Rubel Exporte lukrativer und anderseits scheint es besonders im Süden und Westen des Landes aufgrund von Engstellen im Schienennetz zu Verteilungsproblemen zu kommen. Zusätzlich belastet die aufgrund der Wartungsarbeiten geringere Raffinerieauslastung des Landes. Für den Benzinmarkt ist dies ein relativ geringes Problem. Ausgehend von den per Schiff transportierten Mengen exportierte Russland seit Anfang des Jahres durchschnittlich 110.000 B/T. Der Dieselmarkt und damit auch Heizöl wird massiv unter dem Exportverbot leiden. Durchschnittlich 1,07 Mio. B/T wurden von Russland allein über den Seeweg exportiert.

Mit den gestern Nachmittag massiv steigenden Preisen zog auch die Nachfrage erneut an. Während die Heizölpreise in Österreich noch auf dem Vortagesniveau verharren, stiegen sie in der Schweiz bereits um durchschnittlich 1,4 Rappen und in Deutschland um 1,95 Cent pro Liter an. Erfahrungsgemäß dürfte die Heizölnachfrage damit im Vergleich zu den letzten beiden Tagen stark rückläufig sein, wobei österreichische Interessenten über einen Kauf nachdenken sollten, bevor auch hier die Preise der Börse folgen. Für Heizölnutzer in der Schweiz und Deutschland könnte es sich dagegen lohnen auf die Inflationsdaten der USA und Europas am Freitag zu spekulieren. Sollten die Inflation sich über den Markterwartungen halten, könnte dies für Abwärtsdruck bei den Ölpreisen sorgen. Besser als erwartete Werte hätten wiederum den umgekehrten Effekt, scheinen zumindest in Europa derzeit aber unwahrscheinlich. -fr-

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