Iran-Krieg treibt Ölpreise über 100 US-Dollar

09.03.26 • 10:02 Uhr • HeizOel24 News • Janin Wordel

Die Ölpreise sind über das Wochenende in eine neue Dimension gerutscht. Brent übersprang erstmals seit 2022 die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Ölförderung gedrosselt und der Iran verkündet ihren neuen Obersten Führer. Die Heizölpreise in Deutschland, Österreich und der Schweiz starten mit dem größten Tagessprung seit Beginn dem Krieg in die neue Woche. Gut 16 Cent je Liter geht es heute nach oben.

Die Ölbullen bekamen über das Wochenende reichlich Futter. Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Ölförderung zurückgefahren, aus demselben Grund wie zuvor der Irak: Die Lager füllen sich, weil das Öl die Region über die gesperrte Straße von Hormus nicht verlassen kann. Der staatliche Ölkonzern Adnoc aus den Emiraten hat die Offshore-Produktion gedrosselt, Kuwait hat zusätzlich den Raffinerie-Durchsatz verringert. Damit kürzen nun drei der bedeutendsten OPEC-Mitglieder gleichzeitig ihre Produktion, gezwungen durch eine Logistik, die schlicht nicht mehr funktioniert.

Dazu kommt eine politische Zäsur, die den Konflikt weiter zementiert. Mit Mojtaba Chamenei, dem Sohn des bei US-israelischen Angriffen getöteten Ajatollah Ali Chamenei, hat Teheran einen neuen Obersten Führer. Der 56-Jährige ist eng mit den Iranischen Revolutionsgarden verbunden und gilt als Hardliner. Der iranische Präsident Masud Peseschkian sendete am Wochenende zwar vorsichtige Signale Richtung Golfstaaten, gegenüber Washington ließ er aber keinen Zweifel: Eine Kapitulation komme nicht infrage. Trump antwortete auf Truth Social, die Angriffe würden so lange weitergehen, bis der Iran kapituliere oder zusammenbreche. Irans Drohnen machten unterdessen vor Saudi-Arabiens Shaiba-Ölfeld nicht halt. Der Risikoaufschlag, den die Märkte einpreisen, hat über das Wochenende weiter zugelegt.

Am Morgen notiert Brent bei 107,30 US-Dollar pro Barrel, WTI bei 102,94 US-Dollar. Gasöl hält sich bei 1.310,50 US-Dollar pro Tonne. Diese Woche legen EIA, die OPEC und die Internationale Energieagentur IEA ihre aktuellen Monatsberichte vor. Selten wurden sie mit so viel Anspannung erwartet. Eine Freigabe strategischer Ölreserven steht laut IEA derzeit nicht zur Debatte. US-Energieminister Chris Wright gibt sich zuversichtlicher und hält eine Öffnung der Meerenge in Wochen für realistisch. Die Preise sprechen eine andere Sprache.

Für deutsche Verbraucher ist der heutige Montag der teuerste Tag seit 2022. Der Bundesschnitt liegt heute bei 1,50 Euro pro Liter, das ist ein Sprung um 16 Cent gegenüber Freitag. Was das im Alltag bedeutet, lässt sich an einer typischen Haushaltsbestellung ablesen: Wer heute 3.000 Liter ordert, zahlt dafür rund 4.500 Euro. Ende Februar waren es für dieselbe Menge noch rund 2.900 Euro. In weniger als zwei Wochen hat sich die Heizölbestellung um gut 1.600 Euro verteuert. Und nicht nur beim Heizen müssen Verbraucher tiefer in die Tasche greifen. Auch an den Tankstellen zeigt sich ein düsteres Bild, wo Benzin und Diesel weit über zwei Euro pro Liter kosten.

Wer in den nächsten Tagen kaufen muss, steht vor einer schwierigen Abwägung: Kaufen und Sicherheit haben, oder warten und auf Entspannungssignale aus dem Golf setzen. Letzteres ist derzeit eine Wette mit offenem Ausgang. Der meteorologische Frühling hat begonnen, der Heizbedarf sinkt langsam. Wer den Tank nicht leer stehen hat, sollte warten.

In Österreich liegt der Tagesschnitt aktuell bei 1,67 Euro pro Liter. Eine 3.000-Liter-Order kostet dort heute rund 5.000 Euro. In der Schweiz liegt das kantonweite Mittel bei knapp 1,40 Franken pro Liter, was für dieselbe Menge gut 4.200 Franken bedeutet. Die Nachfrage ist auf ein absolutes Grundrauschen gefallen.

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