US-Konterschläge schicken Ölpreise nach oben

08.07.26 • 10:41 Uhr • HeizOel24 News • Janin Wordel

Die Ölpreise sind über Nacht kräftig nach oben gesprungen, nachdem die USA und der Iran zu direkten Militärschlägen übergegangen sind. Washington bombardierte iranische Stellungen, Teheran beschoss daraufhin amerikanische Stützpunkte in Bahrain und Kuwait. Für Heizölkunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz weist die Tendenz erstmal nach oben. Der flüssige Brennstoff kostet am Morgen durchschnittlich 1,5 Cent bzw. Rappen je Liter mehr als gestern.

An den Terminbörsen hat sich die Lage über Nacht neu sortiert. Die Nordseesorte Brent notiert im frühen Mittwochshandel bei 75,94 US-Dollar je Barrel und hält damit den Sprung des Vortags, die amerikanische Sorte WTI liegt bei 72,04 US-Dollar. Der Gasölkontrakt an der Londoner Börse ICE, aus dem sich der Heizölpreis errechnet, gibt dagegen deutlich nach und steht bei 975,50 US-Dollar je Tonne. Der Euro notiert etwas fester bei 1,14 US-Dollar.

Hinter dem Preissprung steht eine schwere Eskalation am Persischen Golf. In der Nacht zum Mittwoch flog das US-Militär eine neue Angriffswelle gegen den Iran und traf nach eigenen Angaben zahlreiche militärische Anlagen sowie mehr als sechzig Schnellboote der Islamischen Revolutionsgarden. Washington reagierte damit auf mehrere Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels lief. Teheran kündigte eine vernichtende Antwort an und beschoss nach eigener Darstellung amerikanische Stützpunkte in Bahrain und Kuwait.

Kurz vor den Schlägen hatte das US-Finanzministerium noch eine Genehmigung kassiert, die dem Iran den Verkauf seines Öls erlaubt hatte. Damit bricht ein zentraler Baustein jener Absichtserklärung weg, die beide Seiten am 17. Juni unterzeichnet hatten und die binnen sechzig Tagen in einen dauerhaften Frieden münden sollte. Rund um die Straße von Hormus ist zugleich ein neuer Streit entbrannt, denn der Iran beansprucht inzwischen Hoheitsrechte über Teile der Meerenge und lotst Schiffe auf eine Route nahe der eigenen Küste. Die USA bestehen auf freier Durchfahrt für alle.

Am Markt hält sich die Aufregung dennoch in Grenzen. Nach dem Sprung auf neue Zweiwochenhochs am Dienstagabend bröckeln die Notierungen bereits wieder, allen voran beim Gasöl. Viele Händler hatten zuletzt auf eine rasche Beruhigung gesetzt und ihre Angebotsprognosen nach oben korrigiert. An dieser Wette wollen sie offenbar festhalten. Solange keine weiteren Angriffe folgen, könnte der Preisauftrieb deshalb rasch verpuffen.

Gegen einen anhaltenden Höhenflug spricht auch die Versorgungslage. Erst am Vortag hatte die US-Energiebehörde EIA für 2027 ein gewaltiges Überangebot vorhergesagt, das Ölkartell OPEC+ hebt seine Fördermenge im August erneut an, und im Persischen Golf löst sich der Tankerstau allmählich auf. Für frische Impulse könnte am Nachmittag der offizielle US-Lagerbericht sorgen, den das Energieministerium DOE vorlegt. Vorab meldete der Ölverband API bereits sinkende Bestände in allen Kategorien, beim Rohöl fiel der Rückgang allerdings kleiner aus als erwartet.

In Deutschland kostet der Liter Heizöl im Bundesschnitt aktuell knapp 1,18 Euro, gut 1,5 Cent über dem Vortag und rund zehn Cent über dem Zwischentief von Mitte Juni. Seither schieben sich die Heizölpreise Stück für Stück zurück nach oben. Eine Bestellung über 3.000 Liter schlägt heute mit etwa 3.500 Euro zu Buche. Das sind etwa 300 Euro mehr als noch vor drei Wochen. Viele Verbraucher hatten das Preistal Mitte Juni genutzt und ihre Tanks aufgefüllt. Wer Bedarf hat, sollte sich eine Einkaufsstrategie zurechtlegen, denn der gewünschte Frieden am Persischen Golf dauert seine Zeit. Und das macht die Öl- und Heizölpreise schwankungsanfälliger als sonst.

In Österreich liegt der Literpreis bei 1,33 Euro. Dort unterbrechen die Heizölpreise ihre Seitwärtsbewegung und drehen ebenfalls nach oben. In der Schweiz kostet der Liter 1,18 Franken. Auch dort zeigt die Kurve nach dem Junitief wieder nach oben und kostet im Vergleich aktuell 13 Rappen mehr. Wer weiter auf sinkende Preise wartet, braucht bei dieser nervösen Nachrichtenlage einen langen Atem.

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