Heizöl: Ist das Jahreshoch bald geknackt?

08.09.26 • 11:26 Uhr • HeizOel24 News • Janin Wordel

Brent kratzt am Dienstagmorgen mit einem Plus von fast zwei Prozent an der Marke von 100 US-Dollar. Über Nacht haben die vom Iran unterstützten Huthi Ölanlagen im Süden Saudi-Arabiens getroffen, während die Straße von Hormus weiter fast leer bleibt. Die Heizölpreise ziehen heute in Deutschland, Österreich und der Schweiz um rund zwei bis vier Cent bzw. Rappen je Liter an.

Brent notiert bei 99,10 US-Dollar pro Barrel, WTI bei 94,43 US-Dollar, beide stark steigend. Gasöl, der Kontrakt an der Londoner Börse ICE, aus dem sich der Heizölpreis ableitet, hatte seinen großen Sprung bereits gestern gemacht und den verkürzten Feiertagshandel gut 65 US-Dollar fester bei 1.460,25 US-Dollar beendet. Heute Morgen hält er sich bei 1.451,00 US-Dollar und verschnauft auf hohem Niveau.

Hinter dem Preisschub stecken die vom Iran unterstützten Huthi aus dem Jemen. Die Miliz griff in der Nacht mit Drohnen und Raketen Energieanlagen des Ölkonzerns Aramco im Süden Saudi-Arabiens an. In vier Städten brannten daraufhin Anlagen, ein Teil des Betriebs stand vorübergehend still. Das saudische Energieministerium meldete Verletzte, von denen die von Riad geführte Militärkoalition am Morgen 73 zählte. Ruhe kehrt damit kaum ein, denn die Miliz kündigte bereits ihre nächste Operation tief auf saudischem Gebiet an. Der Krieg spielt also nicht mehr nur an der Straße von Hormus, sondern erreicht die Förderanlagen der Anrainer. Diese Ausweitung der Angriffe erhöht zudem die Risikoprämie, die eh schon eingepreist ist.

Diplomatisch verhärten sich die Fronten weiter. Washington kündigte entschlossene Maßnahmen gegen die iranische Blockadepolitik an und will verhindern, dass sich die Störungen in der Straße von Hormus zum Dauerzustand entwickeln. Teherans Sicherheitsratssekretär Mohsen Rezaei antwortete mit der Drohung, auf den wirtschaftlichen Druck mit einer Sperrzone im Persischen Golf zu reagieren. Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten geht erstmals ein direkter Nachbar offen auf Distanz zu Teheran und erklärte, eine internationale Wasserstraße dürfe kein Druckmittel eines einzelnen Staates sein. Nach den nächtlichen Angriffen auf Saudi-Arabien verurteilten auch Katar, Kuwait und Bahrain das iranische Lager. Der Iran isoliert sich in der eigenen Region zunehmend selbst.

Etwas Entlastung kommt aus China. Die Volksrepublik hat im August gut sechs Prozent mehr Rohöl importiert als im Juli und ihre Exporte von Diesel und Benzin um fast ein Drittel gesteigert. Für den knappen Dieselmarkt ist das ein kleiner Lichtblick. Die Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Ölpreisprognosen dennoch angehoben und rechnet damit, dass die Störungen der Schifffahrt bis ins kommende Jahr andauern.

Zu den hohen Ölpreisen gesellen sich in Deutschland nun auch halbleere Gasspeicher. Nach Daten des europäischen Speicherverbands Gas Infrastructure Europe (GIE) liegt der Füllstand bei 54,5 Prozent und damit so niedrig um diese Jahreszeit wie seit 15 Jahren nicht. Der Speicherverband INES hält bis November höchstens 77 Prozent für erreichbar und schlägt niedrigere Netzentgelte vor, damit sich das Einlagern für Händler wieder rechnet. Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet trotz der angespannten Lage keine Gasmangellage. Österreich steht mit gut 67 Prozent spürbar besser da. Die Schweiz betreibt keine eigenen großen Speicher und stützt sich auf die Nachbarländer, wo etwa die französischen Speicher mit knapp 74 Prozent deutlich voller sind als die deutschen. Wer mit Öl heizt, hat gegenüber Gaskunden damit einen kleinen Vorteil. Denn über den Tankfüllstand im Keller bestimmt der Verbraucher ganz allein.

In Deutschland kostet der Liter Heizöl heute im Schnitt 1,53 Euro, knapp zwei Cent mehr als gestern und der zweite Aufschlag in Folge. Bis zum Frühjahrshoch von etwa 1,55 Euro fehlt damit nur noch ein kleiner Schritt. Wie viel am Ende auf der Rechnung steht, hängt zudem stark vom Wohnort ab. In München und Stuttgart ist der Liter fast fünf Prozent günstiger als im Bundesschnitt, in Hannover und Hamburg gut vier Prozent teurer. Zwischen Süd und Nord liegen damit bei einer vollen Tankfüllung schnell mehrere hundert Euro. In Österreich kostet der Liter 1,74 Euro, bis zum Jahreshoch vom April bleibt dort noch etwas Luft. Die Schweiz notiert bei 1,56 Franken, das Frühjahr war mit rund 1,60 Franken zuletzt nur wenig teurer.

HeizOel24-Tipp: Wer den Kauf auf diesem Niveau nicht allein stemmen will, teilt ihn. Bei einer Sammelbestellung ordern Nachbarn gemeinsam und drücken so den Literpreis. Berechnen Sie am besten selbst, ob sich die Sammelbestellung für Sie und Ihre Nachbarn lohnt. HeizOel24

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