Ölpreise zeigen IEA-Reservefreigabe kalte Schulter

12.03.26 • 10:53 Uhr • HeizOel24 News • Janin Wordel

Der Ölpreis zieht am Donnerstag erneut kräftig an. Der Iran hat seine Angriffe auf Öltransporte im Nahen Osten ausgeweitet, der Oman evakuiert seinen wichtigsten Ölhafen – und die Märkte ignorieren die größte Reservefreigabe der Geschichte. Für Heizölkäufer in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet das heute einen deutlichen Preisanstieg von durchschnittlich bis zu neun Cent bzw. Rappen je Liter.

Die Internationale Energieagentur (IEA), das Koordinierungsgremium für Energiesicherheit der 32 wichtigsten Industriestaaten, hat gestern beschlossen, bis zu 400 Millionen Barrel aus den strategischen Ölreserven ihrer Mitgliedsländer freizugeben. Den größten Anteil tragen die USA mit 172 Millionen Barrel. Ein historischer Schritt – und der Markt zuckt mit den Schultern.

Denn während die Freigabe noch verhandelt wurde, verschärfte der Iran seine Angriffe auf Öltransporte im Nahen Osten. In der Nacht zum Donnerstag setzten mit Sprengstoff beladene Schnellboote zwei Treibstoff-Frachter in irakischen Gewässern in Brand, ein Besatzungsmitglied wurde getötet. Der Irak stellte daraufhin den Betrieb an seinen wichtigsten Ölterminals vorübergehend ein, nachdem das Land die Produktion bereits in der Vorwoche drastisch gedrosselt hatte.

Der entscheidende Eskalationsschritt kam jedoch aus Oman. Die Regierung ordnete die vollständige Evakuierung des Ölhafens Mina Al Fahal an, einem der letzten noch funktionierenden Exportterminals der Region. Laut dem Datenunternehmen Kpler werden dort täglich rund eine Million Barrel omanisches Öl verladen. Der Hafen liegt außerhalb der Straße von Hormus und hatte deshalb bislang noch direkten Zugang zum Arabischen Meer – ein Umstand, den der Iran mit Drohnenangriffen auf Treibstofftanks im Hafen von Salalah gezielt beseitigt hat. Damit weitet sich der Konflikt geografisch aus. Die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund 20 Millionen Barrel Öl pro Tag fließen, ist faktisch gesperrt. Nun geraten auch Häfen unter Beschuss, die eigentlich als Ausweichrouten galten.

Brent-Rohöl, die internationale Referenzsorte aus der Nordsee, stieg am Donnerstagmorgen auf 99 US-Dollar je Barrel. Damit nähert sich Brent erneut der symbolischen Marke von 100 US-Dollar. WTI, das amerikanische Referenzöl, notierte zuletzt bei 90,87 US-Dollar und damit etwas verhaltener, da die US-Lagerbestände laut dem Wochenbericht des amerikanischen Energieministeriums DOE (Department of Energy) stärker als erwartet zugelegt hatten. Der DOE-Bericht fiel damit neutral aus und gab keine neuen Impulse. ICE Gasöl, der für Heizöl maßgebliche Terminkontrakt, legte ebenfalls kräftig zu und signalisiert damit für den heutigen Tag weitere Aufschläge an der Zapfsäule.

Wer heute Heizöl kauft, zahlt bundesweit im Schnitt gut 1,36 Euro je Liter. Damit ist die leichte Entspannung der letzten Tage erstmal wieder vom Tisch. Es besteht weiterhin eine starke Volatilität. Solche Preissprünge innerhalb eines einzigen Tages waren noch vor wenigen Wochen undenkbar.

Ein Blick auf die Preiskarte zeigt, wie unterschiedlich die Last verteilt ist. Hannover liegt aktuell mit knapp 1,42 Euro an der Spitze – ein Aufschlag von über drei Prozent gegenüber dem deutschen Durchschnitt. Hamburg folgt mit knapp 1,39 Euro. Im Osten und Süden des Landes sieht es etwas gefälliger aus. In Leipzig zahlen Verbraucher rund 1,25 Euro, in Stuttgart 1,28 Euro. Mit Unterschieden von bis zu 14 Cent je Liter zwischen den Städten öffnet sich die Preisschere innerhalb Deutschlands weiter. Im Vergleich: Noch vor dem Kriegsbeginn lag das deutsche Mittel bei ca. 97 Cent je Liter. Mit der heutigen Teuerung ist das ein Anstieg um ca. 40 Prozent.

In Österreich bleibt Heizöl am Vormittag erstmal bei 1,60 Euro je Liter, also auf gestrigem Niveau. Dagegen ziehen die Heizölpreise in der Schweiz am Morgen durchschnittlich vier Rappen nach oben und finden sich preislich aktuell bei knapp 1,25 Franken je Liter ein. Die Nachfrage bleibt auf niedrigem Level.

HeizOel24-Tipp: Wer den Tank noch für einige Wochen voll hat, sollte einen Preisalarm setzen und die Lage beobachten. Wer dringend nachbestellen muss, fährt aktuell besser mit einer kleineren Teilmenge statt einer Volltankung – so bleibt Spielraum, bei einem möglichen Rücksetzer nachzuordern. HeizOel24

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